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Being a Two Sports Athlete
Beitrag wurde erstellt am Montag, 4. Februar 2019
Autor: Ray Singca |
Career
Dezember 2018. Munsters Bowl VII. Unaufhaltsam ticken die letzten Sekunden von der Game Clock. Gleich ist es vorbei, das siebente Spiel meiner Football-Karriere. Der Blick ist starr auf die Spieluhr gerichtet. Der Referee schnappt sich den Ball. Schlusspfiff, Hand Shakes, Sieg und schon geht es in die Winterpause.
Am Ende dieser 15-monatigen Zeitspanne als Basketballer und Footballer, stehen insgesamt 44 Spiele, 483 Punkte, jeweils über 150 Rebounds und Assists, 101 Steals, 15.5 Tackles, eine Forced Fumble, eine Fumble Recovery, eine Deflection und einige Return Yards auf meinem Spielerkonto. Persönlich gesehen, not too bad. Alles in allem jedoch mit Vorsicht zu betrachten. Denn mit dem Erfolg in der 2018er Munsters Bowl, steht in 15 Monaten nur ein einsamer Sieg in der Wins-Column der Dacia Vikings Superseniors.
Doch alles auf Anfang. Wie kam es nach 17 Jahren im Vereinsbasketball nun plötzlich zum Football?
Warum American Football?

Bildquelle: Peter Markus (2017)
Das Interesse für American Football hat sich eigentlich bereits sehr früh entwickelt. Zuerst aber im geschützten Rahmen eines Videospiels . Nachdem ich mit 12 oder 13 Jahren die Regeln einigermaßen verstanden habe, folgten bald darauf auch die ersten mitternächtlichen Übertragungen des Super Bowls und darauffolgend die ersten Super Bowl Partys im Marriott Vienna. Zu dieser Zeit kam dann auch erstmals der Gedanke auf, es eventuell mal selbst auszuprobieren. Basketball dafür aufzugeben, stand aber nie zur Debatte, weshalb dieses "Projekt" zunächst vertagt werden musste.
Mit dieser Prämisse im Hinterkopf, blieb eigentlich nur eine Option. Ich musste beides gleichzeitig spielen und zugegeben, dieser Gedanke festigte sich über die Zeit immer mehr. Prägend für diese Idee war eine Story, die ich vor vielen Jahren gelesen habe. Dabei ging es um Star Cornerback Deion SANDERS. Diese paar Zeilen über ihn zu lesen, waren faszinierend. Denn Prime Time war nicht nur ein Football-Profi, sondern hatte zeitgleich auch ein Engagement in der MLB. Für einen 10-jährigen war das damals ein ziemlicher Eye-Opener. Man kann in zwei Sportarten gleichzeitig Profi sein? Mind. Blown. .
Two Sports Athlete, da war die Vision. Bis zum ersten richtigen Kontakt mit Football sollten von der ersten Idee aber noch rund 15 Jahre vergehen. Der Gedanke von der sportlichen Dualität hielt sich aber hartnäckig. Der richtige Zeitpunkt musste einfach kommen. Und 2014 war er fast da, als ich auf dem Rasen der Sportanlage Wasserpark das Try-Out bei den Danube Dragons II absolvierte. Erfolgreich, wie sich einige Tage später zeigen sollte, als die Einladung zum Team-Training in meinem Postfach landete. YES! Aufgrund einer Schulterverletzung, musste ich damals jedoch absagen. Zum einen war ich noch mehrere Wochen davon entfernt, die ärztliche Freigabe für Kontaktsport zu erhalten und zum anderen standen mit den Paladins noch einige Aufgaben auf meiner Liste, auf die ich mich zuerst konzentrieren wollte. So wurde Football trotz positivem Feedbacks mal auf Eis gelegt. Das musste einfach noch warten. Gute zwei Jahre später erfuhr ich dann von den Superseniors. Ein Ü30 Football-Team? Count me in! Ich musste also nur noch 30 werden, was 2017 dann soweit war.
Rookie Season

Danach ging alles relativ schnell. Ein erfolgreich absolviertes Try-Out im September. Mein Football-Debüt bei der Munsters Bowl VI im Oktober. Dazu gleich die erste Nominierung als Starter als erstes kleines, persönliches Highlight. Danach folgte prompt die kurze Winterpause, bevor es im neuen Jahr dann schließlich in die neue Saison der Divison IV ging und ich mich rasch in meiner Rookie Season wiederfand.
Nach der Partie im Oktober war das erste persönliche Ziel klar definiert. Ich wollte starten. In den Wochen bis zum endgültigen Ligastart schaffte ich es, mich fest in die Defense der Seniors zu spielen und meine Starting Position zu behaupten. Mission Accomplished . So stand ich dem Team in weiterer Folge in fünf Liga-Spielen alternativ als Cornerback und als Safety zur Verfügung. Darüber hinaus kamen etliche Starting Assignments in den Special Teams dazu. Insgesamt kam ich während der Saison in den verschiedensten Units auf 18 Starting-Nominierungen. Mehr hatte in diesem Zeitraum kein anderer Rookie. Und da die Defense tendenziell öfter und länger auf dem Feld stand, kam ich auf reichlich Minuten und zu etlichen Snaps. Das war besonders wertvoll, um Spielerfahrung zu sammeln.
Geholfen hat auch, dass ich vielseitig eingesetzt wurde und neben meinen Hauptaufgaben in der Verteidigung ebenso in den verschiedenen Special Teams zum Einsatz kam. Das gab mir die Möglichkeit den Sport von mehreren Perspektiven zu sehen. Hilfreich auch die Trainingseinheiten, in denen ich bei den Receivern mitmachen durfte, um ein besseres Verständnis für meinen Counterpart zu bekommen. Alles in allem ein sehr lehrreiches Jahr.

Bildquelle: Peter Markus (2017)
Und persönlich gesehen, eines in dem ich mir zumindest auf diesem Level beweisen konnte, dass ich hier mitspielen und nicht nur mitlaufen kann. So führte ich nach den ersten drei Saisonspielen alle Seniors bei den Tackles an und war am Saisonende nach fünf von sechs absolvierten Partien mit 9.5 Tackles die #4 in dieser Kategorie. Unter allen Seniors-Rookies sogar Stat Leader. Check . Nimmt man die außerbewerblichen Munsters Bowls dazu, kommen da noch jeweils drei Tackles hinzu. Individuell gesehen, gar nicht so schlecht. Auf die Team-Bilanz hätte sich das aber gerne auch auswirken können. Denn wie gesagt, blieb es bei einem einzigen Sieg gegen die Augsburg Storm bei der Munsters Bowl VII.
Challenges

Bildquelle: Peter Kramberger (2017)
Während meine Rookie Season individuell gesehen, recht zufriedenstellend verlief, traf ich vor allem in der Anfangsphase auf einige Herausforderungen, die ich vom Basketball schlichtweg nicht gewohnt war.
Wetter
Die größten Probleme hatte ich zu Beginn mit dem Wetter. In der Halle geht es weder extrem weit ins Plus noch ins Minus. Beim Football ist das aber natürlich anders. Minusgrade, Regen, Schnee in der ersten Saisonhälfte gefolgt von Plusgraden, erstickender Hitze und praller Sonne in der zweiten Saisonhälfte. Angenehm war das anfangs nicht und die Umstellung dementsprechend groß. Überraschenderweise hatte das Spielen im Schnee aber seinen eigenen Charme und machte mehr Spaß als gedacht .
Injuries
Beim Wechsel von einer Non-Contact-Sportart per Definition zu einem Kollisionssport wie Football, sind Verletzungen eigentlich kaum zu umgehen. Dementsprechend wichtig ist es, mental voll dabei zu sein und sich auch bewusst zu machen, dass das Verletzungsrisiko einfach hoch ist. Da ist es eigentlich, egal ob man Hits verteilt oder am anderen Ende des Hits steht. Es ist bei 22 Spielern, die kreuz und quer übers Feld laufen relativ unübersichtlich und kann dementsprechend unberechenbar sein. So blieb auch ich nicht von Verletzungen verschont. Eine Schulterluxation und eine Sprunggelenksverletzung standen am Ende als Highlights neben der obigen Stat Line ebenfalls auf meinem Konto. Naja, Part of the Game, wie es so schön heißt.
Skills
Basketball stattete mich mit einigen athletischen Voraussetzungen aus, die ich zum Football mitbringen konnte. Das Fitness- und Conditioning-Level als auch die Schnelligkeit haben mir den Einstieg daher leichter gemacht. Lernen musste ich aber einiges im Technikbereich. Dabei ging es teilweise um neue Bewegungsabläufe, die beim Basketball absolute No-Gos wären, sowie um angepasste Movement-Patterns. Richtig sauber war das nach den 15 Monaten zwar immer noch nicht, jedoch half mir der Speed, um das zu kompensieren. Größer war die Umstellung wenn es um die Court bzw. Field Awareness ging. Das Feld ist wesentlich größer als ein Basketball Court und hat auch doppelt so viele Akteure. "Alles" zu sehen ist da oft schwierig. Zu lernen galt es somit, das "richtige" zu sehen. Das war wahrscheinlich der größte Lernprozess, durch den ich durch musste.
Doppelbelastung
Gleichzeitig Basketball als auch Football zu spielen, sah ich nie als Belastung an. Ganz im Gegenteil. Beides betreiben zu können, war für mich eine große Herausforderung. Ich durfte und konnte beide Sportarten gleichzeitig als Leistungsträger bei beiden Teams ausüben. Was gibt es besseres? Auch wenn der Coaching Staff der Seniors dies anders sah und nach einer deutlichen Niederlage reichlich Kritik übte und meine Prioritäten in Frage stellte. Ja, die Partie fand nur wenige Stunden nach einem Paladins-Spiel statt, was für mich (auch fitnesstechnisch) kein Hindernis war. Somit die Reaktion deutlich überspitzt. Denn im Verlauf der Saison stellte diese "Doppelbelastung" weder vor noch nach diesem Tag ein leistungsmäßiges Problem dar und war in der Form auch kein Einzelfall. Und das weder beim einen noch beim anderen Team. Dafür sorgte ich. Denn zugelassen habe ich es nicht, dass der eine Sport den anderen negativ beeinflusste oder als Ausrede für den anderen galt. So stand ich wenige Tage nach einer Schulterluxation auf dem Hardwood der Stadthalle für die Paladins bereit, genauso wie ich nach Spiel- und Trainingsterminen bei den Paladins bereit für Trainings oder Gamedays bei den Seniors war. Das war dann einfach normal und mein Bread & Butter. Sollten dennoch Zweifel an den Prioritäten aufkommen, so wäre es ein wenig naiv zu denken, dass eine Saison im Football mir einfach den Basketball aus den Händen reißen kann, den mir mein Vater in die Wiege gelegt hat. #BallIsLife
Bottom Line

Zwei Mannschaftssportarten gleichzeitig zu betreiben kostet. Beim Football nicht nur Geld, da die Einstiegskosten im Hinblick auf die Ausrüstung relativ hoch sind, sondern auch Zeit und Energie. Und davon jede Menge. Ich kann an dieser Stelle also nur ein großes Dankeschön an Charlyn und Quinn richten, die es überhaupt erst ermöglicht hat, dass ich an vier Abenden pro Woche zusätzlich zu den 44 Spielen entweder bei den Seniors oder bei den Paladins auf dem Feld stehen konnte .

Unterm Strich habe ich während dieser Zeit viele neue, sportliche Erfahrungen sammeln und einige persönliche Highlights setzen können. Vor allem erlaubte mir dies die Idee vom Footballspielen in die Tat umzusetzen. Mir dabei auch noch zu beweisen, dass ich mich zumindest auf diesem Level einigermaßen gut schlagen kann, ist noch eines dieser kleinen Highlights, das ich aus dieser Saison mitnehmen werde. Genauso wie der Sieg in meinem (vorerst) letzten Football-Spiel. Es hat Spaß gemacht. Eine Menge sogar. Das kann man nicht abstreiten und hat für einige tolle Momente gesorgt. Dafür ein großes Dankeschön an die Superseniors. Nicht nur an die Spieler und Coaches, sondern auch an die erstklassige Sideline Crew!
Wie es mit meiner Football-Karriere weitergeht, würde ich aktuell noch offen halten. Genauso, ob es da eine Fortsetzung geben wird oder nicht. Das muss ich aber zum Glück noch nicht jetzt entscheiden. Denn jetzt gilt der Fokus erstmal den Zielen mit den Paladins.