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Warum Spieler an der Freiwurflinie versagen

Beitrag wurde erstellt am Montag, 21. Januar 2019
Autor: Jared Jentzsch | Science

 

Jede/r Basketballer/In kennt die Situation. Man wird während des Wurfes gefoult und darf nun an die Freiwurflinie. Eigentlich sind das zwei easy Points. Diese Würfe haben wir schon so oft im Training geworfen und unser Team zählt auf uns. Während sich manche Spieler weder vom Punktestand noch von Fans, Trainern oder Team ablenken lassen, gibt es andere, die unter Druck anfangen sich Gedanken zu machen: "Du musst unbedingt treffen, sonst lässt du dein Team im Stich." oder "Was wird mein Coach und mein Team denken, wenn ich versage?".

Der zweite Gedanke ist typisch für Spieler, die ein hohes Level an Fear of Negative Evaluation haben. Sie sorgen sich um die negative Bewertung durch Bekannte und Außenstehende. Diese Gedanken lenken letztendlich von der eigentlichen Aufgabe, nämlich den Freiwurf zu werfen, ab. Auch unterscheiden sich Spieler/Innen in der Art wie sie mit Misserfolgen umgehen. Während es manchen leicht fällt, sich nach einem Turnover wieder aufs Spiel zu konzentrieren, so gibt es auch Spieler, bei denen ein Fehler dann auf den anderen folgt. Solche Spieler werden als lageorientiert beschrieben.

Vor knapp drei Monaten habe ich im Rahmen meiner Masterarbeit in Psychologie, dass Freiwurfverhalten unter Druck bei den Paladins getestet. Seitdem wurden die Daten von 65 erfahrenen Basketballspieler/Innen aus ganz Wien verglichen und ich konnte dabei spannende Ergebnisse herausfinden.


Auswertung



Die Spieler/Innen mussten 15 Freiwürfe ohne Druck und 15 Freiwürfe unter Druck werfen. Dabei wurde jeder Wurf durch ein Punktesystem gemessen: 6 = Netz und drin, 5 = Ring und drin, 4 = Brett und drin, 3 = Ring und daneben, 2 = Brett und daneben, 1 = Airball. Durch dieses Punktesystem konnten feinere Unterschiede in der Wurfleistung erfasst werden. Den Spieler/Innen war es also möglich zwischen 15 und 90 Punkten zu erreichen (je höher die Punkte desto besser die Leistung).

Generell konnten wir feststellen, dass die Spieler sowohl ohne als auch mit Druck eine sehr gute Leistung zeigten. Dennoch zeigt sich, dass sich die Freiwurfleistung unter Druck verschlechterte. Während die Spieler/innen im ersten Durchgang durchschnittlich 71.6 Punkte (von 90) erzielten, so verschlechterte sich die Leistung im zweiten Durchgang auf durchschnittlich 69.3 Punkte. Der Unterschied scheint auf den ersten Blick nicht allzu hoch, war aber jedoch statistisch signifikant.

Entgegen unserer Vermutungen, haben die Ergebnisse gezeigt, dass sich die Leistung von Personen mit hohem Level an Fear of Negative Evaluation nicht von Personen mit niedrigem Level unterscheiden. Diese negativen Befürchtungen hatten also keinen Einfluss auf das Freiwurfverhalten unter Druck. Basierend auf den selbstberichteten Freiwurf-Statistiken der vergangenen Saison, konnten wir jedoch feststellen, dass Spieler/Innen mit hohem Level an Fear of Negative Evaluation schlechtere Freiwurfleistungen im Spiel zeigten, als Spieler/Innen mit niedrigem Level.

Zu unserer Überraschung haben wir außerdem herausgefunden, dass lageorientierte Spieler/Innen bessere Leistungen unter Druck zeigten als handlungsorientierte Spieler/Innen. Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zur bisherigen Forschung und stellt uns vor ein Rätsel.


Schlussfolgerung



Die sportpsychologische Untersuchung der Freiwurfleistung unter Druck hat einige spannende und unerwartete Erkenntnisse geliefert.

Die Ergebnisse zeigen z.B., dass Fear of Negative Evaluation eine Rolle in Real-Life-Szenarios spielt, aber nicht bei unserer Untersuchung. Die Situation während eines Spiels war also nicht vergleichbar mit unserem Setting. Im Spiel kommen zusätzliche Faktoren hinzu (z.B. Zuschauer, Anwesenheit der Gegner, Lautstärke, wenig Zeit sich auf den Freiwurf zu konzentrieren, etc.), die dafür verantwortlich sein könnten, warum Spieler/Innen mit hohem Level an Fear of Negative Evaluation im Spiel versagen aber nicht in unserem Experiment.

Das lageorientierte Spieler/Innen eine stabilere Leistung unter Druck zeigten ist unerwartet und wir haben momentan keine plausible Erklärung dafür. Unsere Daten zeigen einen positiven Zusammenhang zwischen lageorientierten Spieler/Innen und Trainingsbeteiligung, also mehr wöchentlichen Trainings. Eine mögliche Erklärung wäre also, dass sich lageorientierte Spieler ihrer Schwäche (schlechtere Leistung unter Druck) bewusst sind, und daher öfters zum Training gehen um dieser entgegenzuwirken.

Letztendlich erweitern unsere Ergebnisse den bisherigen Forschungsstand und werfen weitere Fragen zum Thema "Sports Performance Under Pressure" auf.

Danke Paladins für eure Hilfe! Ich wünsche euch für 2019 viele Siege und viel Erfolg bei euren Unternehmungen!

Jared Jentzsch

Masterstudent der Psychologie.

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Wiener Liga

Team W L P
       
UKJ Rockets/2 5 0 10
Vienna Paladins 4 1 9
Vienna United/3 3 2 8
Vienna Timberwolves/3 2 3 7
UKJ Rockets/3 1 4 6
BC DSG Gumpendorf/2 0 5 5

ASKÖ Cup

Team W L P
       
Vienna Paladins 4 0 8
WAT22 Oldies 3 2 8
EuroFighters 3 0 6
Phalanx 2 1 5
Lok Praterstern 1 3 5
Vienna Spartans 0 4 4
Ararat 1 2 4