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Typische Verletzungsmuster im Basketball

Beitrag wurde erstellt am Montag, 14. Mai 2018
Autor: Naima Gaidoschik | Training

 

Mein Name ist Naima Gaidoschik, bin 27 Jahre alt und ich bin (Sport-)Physiotherapeutin mit einer großen Leidenschaft zum Basketballsport. Ich selbst spiele seit ca. meinem sechsten Lebensjahr Basketball, wobei sich das damals wohl eher noch so als "ich laufe mal dem runden Leder nach ohne dabei hinzufallen" gestaltete . Seitdem habe ich eigentlich durchgehend in NÖ und Salzburg gespielt und spiele zurzeit mit Salzburg/TUS Mitterfelden in Deutschland in der Bayernliga mit. Somit komme ich tagtäglich mit Basketball in Berührung, entweder spiele/trainiere ich selbst oder behandle diejenigen, die spielen. #Ballislife trifft bei mir wohl zu 100% zu .


Ausbildung

Mein dreijähriges Bachelorstudium habe ich an der FH Krems abgeschlossen. Danach habe ich in Rif (SBG) bei SPT die Ausbildung zur Sportphysiotherapeutin gemacht. Auch sonst stehen immer wieder Kurse/Fortbildungen/Seminare am Programm, um up to date zu bleiben bzw. um mein Wissen in verschiedenen Bereichen noch weiter zu vertiefen. Die letzten Jahre fand das vor allem im Bereich der Ernährungsphysiologie, die bei Themen wie Wundheilung, Regeneration und natürlich auch Leistung(ssteigerung) eine große Rolle spielt.


Berufsweg



Beruflich habe ich meine ersten drei Berufsjahre als Physio im Rehazentrum in Großgmain (SBG) mit dem Schwerpunkt auf Kardiologie und Neurologie verbracht. Seit 2015 arbeite ich nur mehr auf selbstständiger Basis in Salzburg und seit April bin ich zudem in der Gemeinschaftspraxis "PTeins". Außerdem bin ich Physiotherapeutin der Gmunden Swans, sowie des österreichischen Basketball Herren- und WU18-Nationalteams. Vor Kurzem war ich als Physio auch bei den Paralympics in Südkorea dabei. Somit komme ich beruflich viel herum und kann vor allem im Sportbereich fortlaufend viele spannende Erfahrungen sammeln.




Zum Nationalteam gekommen bin ich 2014. Da bin ich im Sommer für eine Freundin bei zwei Camps der Damenmannschaft eingesprungen und habe dann im Winter 2014 die WU16 übernommen und diese bis 2016 als Physio bei diversen Camps und den Europameisterschaften betreut. Da ich immer wieder für andere Nationalmannschaften bedarfsweise eingesprungen bin, wurde ich 2016 schließlich gefragt, ob ich nicht Interesse hätte, langfristig das Herrennationalteam zu betreuen. So kam der Stein ins Rollen und ich bin bis heute sehr eng mit dem österreichischen Basketballsport in Kontakt. Sei es als aktive Spielerin oder als Physio.


Typische Verletzungen

Bildquelle: nytimes.com (2012)


Basketball ist eine schnelle Stop-and-Go-Sportart und somit für den gesamten Bewegungsapparat (Gelenke, Sehnen, Bänder und Muskulatur) sehr anspruchsvoll. Dies betrifft vor allem das Sprunggelenk, das Knie, die Hüfte und den Rücken, welche auch die am häufigsten verletzten Zonen in dieser Sportart sind. Fast jeder Basketballer kennt das klassische "Umknöcheln". Das Sprunggelenk steht definitiv auf Platz eins bei den Verletzungen. Ebenso Knieverletzungen (Meniskus, Kreuzband und Seitenband) und auch der Rücken ist, wenn der Rumpf (Bauch- und Rückenmuskeln) nicht ausreichend stabil ist, anfällig für Probleme.


Regeneration nach einer Verletzung

Bildquelle: theplayerstribune.com (2014)


Es wäre unseriös, die Frage nach der Regenerationsdauer pauschal zu beantworten, da jeder von uns z.B. Schmerzen individuell anders wahrnimmt. Erschwerend kommt die unterschiedliche Regenerationsdauer der einzelnen Gewebetypen hinzu. So hat bspw. ein unkomplizierter Knochenbruch eine kürzere Heilungszeit als ein Riss des vorderen Kreuzbandes. Weiters kommt es stark auf den körperlichen Zustand (Spitzensportler bzw. Amateure haben bspw. andere körperliche Voraussetzungen als Hobbysportler) sowie auf das Anforderungsprofil der jeweiligen Sportart an.

Ich weiß diese Antwort ist für uns alle frustrierend, wir hätten gerne immer diese 100% Garantie wie bei einer Autoreparatur a la "Ich tausche jetzt den Motor aus und dann springt das Auto wieder an". Jedoch macht genau diese Tatsache jeden von uns so einzigartig. Daher möchte ich euch auf diesem Weg mitgeben: Um einen optimalen Heilungsverlauf nach einer Verletzung zu haben, sollte man sich immer in physiotherapeutische Behandlung begeben. Hier wird darauf geachtet, das Gewebe optimal zu stimulieren, um die Heilung voranzutreiben. Man wird auf dem "Weg zurück" kompetent betreut und das jeweilige Training immer entsprechend der aktuellen Wundheilungsphase maßgeschneidert angepasst. Weiters können die Therapeuten fortlaufend Testungen durchführend und anhand der Ergebnisse den Zeitpunkt des Comebacks abschätzen.


Bildquelle: stack.com (2016)


Im Prinzip bedeutet Verletzung immer Pause, Pause bedeutet wiederum Schonung des betroffenen Körperteils, nicht jedoch komplette Inaktivität. Dies bedeutet Sportler sollten immer die gesunden Partien weiterhin kräftigen und trainieren. Hierbei muss man teilweise auch etwas kreativ werden und z.B. jemanden mit Gipsbein bzw. Beinschiene auf das Rudergerät setzen. Das gegipste Bein rollt auf einem Skateboard mit, um bspw. Ausdauereinheiten trotzdem absolvieren zu können. Wichtig ist eine frühfunktionelle Reha, um die heilenden Zellen optimal zu stimulieren, Kontrakturen (eingeschränkte Gelenksbeweglichkeiten) und Adhäsionen (Verklebungen) zu vermeiden, die Durchblutung und Stoffwechselanregung zu gewährleisten. In der Reha sollten alle motorischen Grundeigenschaften wie Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Koordination und Schnelligkeit abgedeckt werden. Natürlich immer mit Rücksichtnahme auf die Belastbarkeit des jeweils verletzten Gewebes.

In diesem Zusammenhang ist noch zu sagen, dass frühzeitige Comebacks rein theoretisch absolut sinnfrei sind! Wenn der Sportler entgegen der prognostizierten Regenerationszeit wieder voll beweglich ist, keine Schmerzen hat, die nötigen physiologischen Anforderungen erfüllt, spricht wenig dagegen. Jedoch ist dies eher im Spitzensport als im Hobbybereich zu erwarten. Sind jedoch noch Beschwerden vorhanden oder die Wiedereinstiegskriterien werden nicht erfüllt, halte ich es definitiv nicht für sinnvoll. Auch wenn man dem eigentlichen Zeitplan dann vielleicht schon nachhinkt. Da ist das Risiko für eine erneute Verletzung einfach viel zu hoch.


Verletzungsprävention



Es ist wichtig, die oben genannten motorischen Grundeigenschaften regelmäßig zu trainieren. Vor allem das Rumpftraining kommt als Prophylaxe in vielen Vereinen viel zu kurz. Außerdem soll man dem Körper die Zeit für ausreichende Regeneration geben und auf eine abwechslungsreiche vitaminreiche Ernährung achten. Neben Ausgleichstraining bieten sich vor allem regenerationsfördernde Maßnahmen wie z.B. Wechselduschen oder Eisbäder an und natürlich, wie schon unsere Eltern es immer prophezeit haben, ausreichend Schlaf. Meiner Meinung nach gibt es aber gewisse Grundübungen, die jeder Sportler beherrschen sollte und in sein Training inkludieren sollte. Das wären:

- die tiefe Kniebeuge
- Kreuzheben
- Trizepsdips
- Sprünge beidbeinig/einbeinig (auch lateral!)
- Landen beidbeinig/einbeinig
- Liegestütz
- Klimmzüge
- diverse statische/dynamische Rumpfübungen (z.B. Planking)

Weiters ist es meiner Meinung nach extrem wichtig, immer im vollen Bewegungsausmaß zu trainieren. Solange dies schmerz- und beschwerdefrei möglich ist. So bleiben die Gelenke frei beweglich. Dies wiederum zeigt sich dann in einer deutlich besseren Mobilität und "Dehnbarkeit". Eine gute Beweglichkeit schützt vor Verletzungen.


Bildquelle: gettyimages.at (2004)


Passend dazu das Thema "Taping". Generell halte ich nicht viel von prophylaktischen Tapings z.B. des Sprunggelenks, auch wenn es sein kann dass ich es wie beim Nationalteam anwenden muss. Das sind Vorschriften von den Coaches bzw. steht es bei manchen Spielern sogar im Vertrag, dass sie Tapes oder Bandagen tragen müssen. Vereinfacht erklärt, nimmt das Tape dem Sprunggelenk die Beweglichkeit, die man aber z.B. beim Springen benötigt bzw. kann mitunter die Reaktion eingeschränkt sein. Das Ausgleichen beim Landen über das tiefste Gelenk (ergo das Sprunggelenk) ist nicht immer möglich. Dies kann dazu führen, dass das nächsthöhere Gelenk nachgibt. In diesem Fall das Knie. Hiermit steigt die Verletzungsanfälligkeit für das Kniegelenk. Nach Verletzungen halte ich es jedoch für durchaus sinnvoll, da es die verletzten Strukturen noch etwas unterstützt und den Sportlern ein Gefühl von Sicherheit gibt und man so etwas befreiter sein Comeback starten kann.


Berufliche Highlights



Besonders spannend finde ich an meinem Job, dass sie so facettenreich ist! Ich arbeite mit geriatischen (alte Menschen), neurologischen, verletzten Patienten sowie mit Amateur- oder Hobbysportlern oder eben mit Leistungssportlern zusammen. Das bietet viel Abwechslung. Weiters ist es bei den Teambetreuungen auch wichtig, die Ernährung, evtl. Supplements, Athletiktraining, regenerationsfördernde Maßnahmen, etc. möglichst optimal unter einen Hut zu bringen. Dadurch bleibt es immer spannend und herausfordernd. Generell freut es mich aber sehr, wenn ich jemandem helfen kann sein persönliches Therapieziel zu erreichen.

Was den ÖBV angeht, war 2015 definitiv ein Highlight, die ersten sechs Spiele mit der WU20 bei der EM in Montenegro zu gewinnen. 2016 dann das erste Länderspiel mit dem Herren NT. Wenn man bei der Hymne unten beim Team als Physio steht, wo man sonst immer von der Tribüne aus angefeuert hat ist das schon ein Highlight. Und natürlich der Sommer 2017 mit der erfolgreichen Qualifikation für die WM Quali .

Und es wird auch definitiv heuer im Sommer 2018, die WU18 HEIM-EM im Südburgenland ein absoluter Höhepunkt sein. Das ist jenes Team, welches ich in meinen "Nationalteam- Anfängen" als U16 Team übernommen habe. Sie haben sich großartig entwickelt und man darf gespannt sein auf ihre Leistung. Also im August alle ab nach Güssing!!!


Kontakt



Wenn ihr zu diesem Thema noch Fragen habt oder euch bezüglich physiotherapeutischer Betreuung erkundigen wollt, erreicht ihr mich direkt unter +43 699 12504461 oder über PTeins.

Naima Gaidoschik

Physiotherapeutin beim österreichischen Nationalteam.

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